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THEATERNÄCHTE 2006 - 2010
(1) Die Nacht der Sehnsüchte, Träume und Visionen
Die Theaternacht - sie ist auch eine Nacht der Sehnsüchte, Träume und Visionen. Und das umfasst seit einigen Jahren nicht nur die Kunst der Bühne selbst. Die Theaternacht ist längst mehr als das: Sie hat sich zur Aufgabe gemacht, Orte der Stadt zu verändern, sie ins Bewusstsein der Menschen zu rücken, das bereits vorgefertigte Bild in Frage zu stellen. Im besten Falle macht die Theaternacht die Stätten, die sie entdeckt, zu Horten der Kunst und Kreativität.
Wahrhaft erstmals in See gestochen sind die Entdecker im Jahr 2006, als sich die Theaternacht selbst Konkurrenz macht und dem eigentlichen Ereignis ein Vorspiel vorangestellt ist: Dort, wo in Zukunft ein glitzernder See Dortmund das unwiderstehliche Flair eines Ferienausflugsziels schenken soll, ebendort werden schon einen Tag vor der eigentlichen Theaternacht satte 30 000 Liter Wasser in die Welt geschüttet: An der Hörder Burg, mit Blick auf die Baustelle für den Phoenix See, zelebriert das Münsteraner Ensemble „Titanick“ die Lust am Untergang des Luxusdampfers. Mit Feuerwerk und Flammenschlägen, Komik und Akrobatik, Schauspielkunst und Fontänen raubt das Spektakel den Atem. Und hinterlässt doch noch Neugier für all jene, die sich am späten Abend an die Bauzäune klammern, um aus der Ansicht von Steinen und Staub die Umwandlung von der Schwer- zur Freizeitindustrie herauszulesen.
(2) Als regelrecht visionär erweist sich der Ort der Theaternacht im Folgejahr: Monate, bevor die Landesregierung dem Umbau zu einem Zentrum der Kultur und Kreativwirtschaft ihre Förderzusage erteilt, erobern die Bühnenpioniere 2007 das Dortmunder „U“. „Ich tu‘ einfach so, als wenn hier alles schon fertig wäre“, verkündet Initiator Horst Hanke-Lindemann und sorgt in einem Kraftakt dafür, dass erstmals alle Beteiligten nach ihren Einzelprogrammen noch auf dem ehemaligen Brauereigelände weiterwirken. Lesungen in Auerbachs Keller, Live-Kunstproduktion hinter Glasscheiben, Tanz in den Hochkellern, Gesang in der Luft, Geierabend vor der illuminierten Kulisse und Videoprojektionen auf der Haut des herrlichen Gebäudes das alles atmet schon Kulturhauptstadtflair. Jung und Alt können an diesem Abend erahnen, wie kreative Vielfalt das „U“ pulsieren lassen wird, wenn ihm erst so unterschiedliche Nutzer wie das Ostwallmuseum, der Hartware MedienKunstVerein oder Dortmunds Filmgröße Adolf Winkelmann ein neues Gesicht geben werden.
(3) Der soziale Aspekt mischt mit in den Planungen für das Jahr 2008: Der Fredenbaumpark, angesiedelt in der mit Problemen behafteten Nordstadt, soll die Kulturflaneure diesmal am Abend anlocken. Vereint mit der Initiative Dortmund Parks, die die städtischen Grünflächen als Kulturorte erschließen will, gilt es, das Image der Stätte aufzupolieren in der Hoffnung, dass die Feiernden nach dieser Nacht auch tagsüber wiederkommen. Visionen unterliegen jedoch bisweilen so banalen Tatsachen wie den Wetterverhältnissen: Regen droht alles fortzuschwemmen und trotzdem rutschen einige Neugierige bis zum Meer aus Schlamm in den Fredenbaumpark, trotzen auch die Künstler und Kreativen den widrigen Umständen und der ständig ausfallenden Technik. Die Theaternacht wird 2008 auch zu einem Fest der Improvisation, bei dem schlussendlich doch einige Hartnäckige Kabarett im Festzelt, HipHop neben Pfützen sowie die Assemblage aus Motorrad-Gang mit Engelsschwingen, Feuerspuckern und Tanz in Lack und Leder auf dem Parkgewässer bewundern. Kultur mit Kampfgeist.
(4) Nun also wahrhaftiges Warmlaufen für die Kulturhauptstadt Ruhr.2010. Die feuchte Freude vom Vorjahr mag noch nachgewirkt haben bei der Auswahl der aktuellen Spielstätte: Mit 11 500 Quadratmetern bietet die ehemalige Schalthalle auf Phoenix-West in Hörde Raum für tausende Menschen, die diesmal überdacht und sicher dem Kulturgenuss frönen mögen. Doch jenseits dessen ist es erneut mehr als nur ein reiner Veranstaltungsort: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verschmelzen auf Phoenix-West auf einzigartige Weise. Dort, wo einst Roheisen erzeugt wurde, entsteht jetzt das, was die Wirtschaftsförderung als „erste Adresse des neuen Dortmund“ tituliert: Ein Standort für Mikro-/Nanotechnologie, Produktions- und Informationstechnologie. Dass dort zugleich Raum für Freizeitwirtschaft sein soll, münzt die Theaternacht kreativ um und wandelt die Halle mit zwölf Kubikmetern Sand und 100 knallroten Liegestühlen sozusagen zum Hoesch-Strand.
(5) Theaternacht 2010 am und im Dortmunder U
Es war nicht nur die Rückkehr zu einem Ort, der bereits einmal in aufgelassenem, unfertigem Zustand bespielt worden war, nicht nur die Rückkehr zur „Stätte des größten Triumphes“ (im Jahr 2007 kamen ca. 20.000 Besucher zum Theaterfest am U), sondern auch eine Reverenz der darstellenden Künste an das neue Zentrum für Kunst und Kreativität im Zentrum der Stadt.
Zugleich war es die Einbindung des neuen, 2010 erstmalig zu Füßen des Dortmunder U veranstalteten Sommer-Kabarett-Festivals „RuhrHOCHdeutsch“ in die Theaternacht.
Es wurden nicht nur Teile des Gebäudes selbst und das Außengelände, sondern auch das bereits seit Anfang Juli zu Füssen des U stehende historische Spiegelzelt bespielt, das einen reizvollen Kontrast zur Architektur des U bildet.
Und es war natürlich im Kulturhauptstadtjahr 2010 zwangsläufig politisch korrekt, die neue Landmarke der Kultur ins rechte Licht zu setzen.
Dies geschah dann auch zum Abschluss des Theaterfestes am Dortmunder U - mit einer Feuer- und Lichtinstallation wurden Gebäude und Gelände bestens in Szene gesetzt.
Text:
Titanic, "U" und Fredenbaum
Nadine Albach, Westfälische Rundschau
Fotos:
(1) Titanic / Team Born & Partner
(2) "U" / H. Schauerte
(3) Fredenbaum / Knut Vahlensieck
(4) PHOENIX West / Thomas Scherr
(5) "U" - Spiegelzelt / Peter Berg
Programme herunterladen
Die Programmübersichten zu den letzten vier Theaternächten können Sie sich hier herunterladen:
Proramm 2010
Proramm 2009
Proramm 2008
Proramm 2007
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